Können einfach können dürfen – Hommage an Prince

Hommage an PrinceDer plötzliche Tod meines Jugendidols Prince hat mich emotional sehr berührt und mich tatsächlich letztes Wochenende in tiefe Trauer gestürzt. Ich war selbst über meine heftige, emotionale Reaktion überrascht. Die Nachricht über seinen Tod erreichte mich im ICE nach Frankfurt und ich merkte, wie mir sofort Tränen in die Augen schossen, ein „Kloß im Hals“ und ein Gefühl von „nichtwahrhabenwollen“ stellte sich ein. Zuhause angekommen, bin ich in Tränen ausgebrochen und als im Radio „Purple Rain“ lief, gab es kein Halten mehr. Das Wochenende habe ich mich dann komplett der Trauer hingegeben und mir alle möglichen Videos, Konzertausschnitte und die wenigen Interviews die er gegeben hat, über Youtube angesehen und selbstverständlich die „Best Of“ rauf und runter gehört.

Ich bin immer noch überrascht, dass man so viele Tränen weinen kann, um jemanden, den man persönlich gar nicht kannte. Prince prägte meine Jugend und ich war echt ein absoluter Fan. So wie manche hysterisch bei Michael Jackson schrien, bin ich bei Prince komplett ausgerastet. Doch was beweinen wir eigentlich, wenn einer unserer Idole stirbt? Den Menschen oder auch ein verloren gegangenes Lebensgefühl? In unserer Jugend fühlten wir uns jung, gesund, frei, sexy und oft unbesiegbar. Wir dachten wir erobern die Welt, alles steht uns offen und das Leben ist eine einzige Party. So war es jedenfalls bei uns. Mittlerweile hat uns das Leben, an der einen oder anderen Stelle eines Besseren belehrt. Oder beweinen wir auch, dass wir hier unsere eigene Endlichkeit vor Augen geführt bekommen? Ich habe hierauf keine Antwort, sondern es bleibt nur das Gefühl eines großen Verlustes.

Jedenfalls hat mich der Verlust dieses großartigen Musikers dazu gebracht, über mein Leben und über das, was Prince für mich verkörpert hat, nachzudenken. Hierbei bin ich auf ein paar interessante Fragen und Erkenntnisse gestoßen, die eventuell hilfreich sein könnten, die eigenen Stärken wieder zu entdecken und verborgenes Potenzial aufzuspüren.

Ich stellte mir folgende Fragen:

1. Was habe ich an Prince so bewundert?

  • Genialität bei gleichzeitiger Mühelosigkeit: Bewundert habe ich mit Sicherheit seine Genialität als Musiker und Künstler. Allerdings auch seine Mühelosigkeit dabei. Es sah so leicht aus, wie er gleichzeitig Gitarre spielte, alle Oktaven sang und dabei auch noch eine sexy Tanzperformance hinlegte. Wohlbemerkt auf Stöckelschuhen, was so manche Frau nicht schafft.
  • Humor: Ich liebte seinen Humor und wie er mit dem Publikum spielte. Sich selbst und die Welt nicht immer so ernst zu nehmen, machte seinen Charme aus. Zudem hatte er die Gabe Ärger in Humor zu verwandeln. So wie er selbst sagte: „I use my anger with humor. I always find the irony in it and make it funny for myself and for the person I ´m with.“
  • Leidenschaft: Mich faszinierte seine Leidenschaft. Er wollte einfach nur Musik machen und das wusste er angeblich schon mit 2 Jahren. Er war mit jeder Faser leidenschaftlich und begeisterte dadurch sein Publikum, das konnte man bei jedem seiner Auftritte sehen. Spaß, Freude, Leichtigkeit und die kontinuierliche Weiterentwicklung seines künstlerischen Schaffens, standen für ihn im Vordergrund.
  • Mut: Ich bewunderte seinen Mut, anders zu sein. Ein Mann in High-Heels und Rüschenbluse, seine Musik ein Mix aus Funk, Jazz, R&B und Rock`n Roll sowie sein Mut, auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus einer Erfolgs-Maschinerie, einem „running system“, auszusteigen. Mit dem auf seine Wange geschriebenen Wort „Slave“, kämpfte er um seine Rechte als Künstler und warf seiner Plattenfirma vor, ihn in seiner künstlerischen Freiheit einzuschränken.
  • Selbstbestimmung und Selbstliebe: Die Leidenschaft, die Wut und Präzision seines Spiels hatte nichts mit Angeberei zu tun. Er musste niemanden mehr beweisen, was er konnte. Es ging um Spiritualität und Selbstliebe. Es ging ihm nicht darum damit anzugeben, sondern es ging um Geben, was er dann auch mit dem Ausstieg aus dem Mainstream deutlich zeigte. Teilweise verschenkte er später seine Musik.
  • Selbstvertrauen: Er glaubte an Gott und vertraute seinem eigenen Können. Er wusste, zum Beispiel dass er mit 1999 und mit Purple Rain etwas ganz Besonderes geschaffen hatte, wie er in einem CNN Interview am 10.12.1999 zugab. Auch hier keine Spur von Angeberei. Er wusste es einfach und zweifelte nie an seinem musikalischen Talent.
  • Empowerment: Heute nennt man das, was er tat Empowerment, wenn man beginnt, die Macht über sein eigenes Leben und die eigenen Möglichkeiten in die Hand zu nehmen.
  • Diversity: Vielfalt, das war Prince in Person. Als begnadeter Gitarrist, der gleichzeitig eine egozentrische und erotische Tanzperformance darbieten konnte, sowie der Mix unterschiedlicher Musikstile, ein Mann in Frauenunterwäsche und Stöckelschuhen. Vielfalt pur! Allerdings war er selbst nicht nur „diverse“ – sondern er förderte auch Diversity auf der Bühne, indem er sich mit schwarzen und weißen, sowie weiblichen Musikerinnen die Bühne teilte.

2. Doch was hat das Ganze mit Karriere oder mit einem selbst zu tun?

Die oben genannten Eigenschaften sind vielleicht Eigenschaften, die manche Menschen erfolgreicher machen als andere. Meist steckt von dem, was wir an anderen bewundern, auch viel in uns selbst, nur sind wir uns dessen nicht immer bewusst.

Ich entdeckte während meiner Hingabe in die Trauer, dass ich einige Werte, die Prince für mich verkörperte tatsächlich selbst lebe, bzw. dass diese Werte für mich große Bedeutung haben. Auf dem Weg ins Erwachsenenleben sind sie mir jedoch teilweise verloren gegangen. Die Erkenntnis, dass ich mich zu einem bestimmten Zeitpunkt meines Lebens durch den Druck „des sich beweisen müssens“, sowie in der Maschinerie des Mainstreams, bzw. in einem „running system“ verloren habe, war eine schmerzliche Erkenntnis. Vielleicht lag es auch an der Gemeinsamkeit, dass man mit einer Körpergröße von 1,58 m – und bei mir noch „weiblich“– oft unterschätzt wird, und meint, dies mit Leistung und „sich beweisen“ ausgleichen zu müssen.
😉

Jedenfalls führte dies irgendwann dazu, dass auch ich aus diversen Systemen ausgestiegen bin, insbesondere dann, wenn ich mich in meinem Schaffensdrang und meiner persönlichen Weiterentwicklung begrenzt sah. Durch den wiederentdeckten Zugang zur Spiritualität gelangte ich Schritt für Schritt zu mehr Bewusstheit und übernahm wieder die Kontrolle über mein Leben. Dies war ein Prozess, der nicht immer leicht war und der auch kein Ende findet, denn das ist eine lebenslange Übung und erfordert auch Mut, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu wollen.

Heute sind mir kontinuierliche Weiterentwicklung, mich auszuprobieren, Spiritualität leben und Selbstbestimmung wichtiger denn je. Ich habe wieder Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten gefunden und weiß mittlerweile, dass ich niemandem etwas beweisen muss, sondern mein Können auch einfach nur können darf. Das war wie gesagt, nicht immer so.

Unsere Idole konfrontieren uns eventuell auch mit unseren Schattenseiten, bzw. unseren „blinden Flecken“. Diese Art von Eigenschaften, die wir nicht mögen, die negativ belegt sind und von denen wir denken, dass sie immer nur andere haben, aber wir selbst auf gar keinen Fall. Prince war eine sehr fordernde, dominante und egozentrische Persönlichkeit. Was zum Teil mit Sicherheit auch auf mich zutrifft. Hier fragen Sie am besten mal meine Familie und Freunde ;-).

Auch eigene Talente und Interessen können Sie an Ihren Idolen ablesen. Als Kind wollte ich Musical Star werden. Ich hatte großes Interesse an knalligen und emotionalen Bühnenevents, tanzte und tanze immer noch leidenschaftlich gerne – und bei frühkindlicher Förderung hätte das Talent zum Tanzen vielleicht gerade noch so gereicht. Ich verfügte allerdings über keinerlei musikalische Begabung ;-). Da haben auch Flöten- und Gitarrenunterricht nichts dran ändern können. Heute habe ich mir in meinem Beruf andere Bühnen gesucht.

Themen wie die Förderung von Diversity bei der Personalauswahl und Teamentwicklung gehören heute zu meinem Tagesgeschäft, genauso wie als Coach anderen Mut zu machen, ihre Talente und Potenziale leben zu dürfen. Ich bin selbst sehr überrascht darüber, Parallelen zwischen meiner Bewunderung für Prince und meinem eigenen Leben entdeckt zu haben. Meine Karriere wird heute von Leidenschaft und Begeisterung für das, was ich tue bestimmt, anstatt durch Leisten- und Beweisen müssen. Meine Arbeit ist Geben, Vielfalt und Inspiration in Gemeinschaftsprojekten. Die Weiterentwicklung meiner Arbeit steht dabei immer im Vordergrund.

Deshalb möchte ich Sie mit meiner kleinen Hommage an Prince dazu inspirieren, sich mit einer solchen Betrachtung auch Ihren Stärken, Potenzialen und Werten zu nähern. Was hat das, was Sie an einem Menschen bewundern, ggf. mit Ihnen zu tun?

  1. Wer war Ihr größtes Idol in Ihrer Jugend? Was genau bewundern Sie an diesem Menschen?Dies geht auch mit einem Ihrer Kinderhelden? Das gleiche Prinzip: Sie werden Talente, Interessen und Werte finden, die heute noch Bedeutung für sie haben. Mein Kindheitsidol war Pippi Langstrumpf 😉 Stark, unabhängig, macht ihr Ding, probiert sich aus. Passt! 😉
  1. Welche Stärken, Interessen und Werte Ihres Idols treffen auch auf Sie zu?
  1. In welchen Situationen zeigten Sie auch diese Fähigkeiten, die Sie an Ihrem Idol schätzen? Wie leben Sie dies heute? Oder aus welchen Gründen leben Sie dies nicht?
  1. Was hat eventuell dazu geführt, dass Sie Talente, Interessen und Werte nicht leben können?
  1. Was könnten Sie tun, um ein Stück dieses damaligen Lebensgefühls wiederzugewinnen?
  1. Welches „Können“ wollen Sie wieder einfach leben dürfen, bzw. können dürfen, ohne beweisen zu müssen? (Sie müssen nicht unbedingt wie Prince das ganze System in Frage stellen und verlassen ;-))
  1. Welchen Rat würde Ihr Idol Ihnen geben?

Vielleicht entdecken Sie beim Beantworten dieser Fragen auch eine Verbindung zwischen Ihnen und der Person, die Sie für ihr Können und ihre Art zu sein, am meisten bewundern.

Prince glaubte an ein Leben danach – „the afterworld“ – und dort feiern alle nun eine großartige Party.

Prince hat mich schon immer inspiriert.
Danke Prince
RIP

Bildquelle:
90620474 – Put your hands up in the air!
© bernardbodo – Fotolia.de

Sandra Lorenz ist Personal- und Karriereberaterin, Business Coach und Kommunikationstrainerin. Sie unterstützt Unternehmen und Privatpersonen bei der Personalauswahl oder Jobfindung, bei beruflicher Neuorientierung, individueller Karriereentwicklung und einem souveränen Auftritt im Job.

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Sandra Lorenz ist Personal- und Karriereberaterin, Business Coach und Kommunikationstrainerin. Sie unterstützt Unternehmen und Privatpersonen bei der Personalauswahl oder Jobfindung, bei beruflicher Neuorientierung, individueller Karriereentwicklung und einem souveränen Auftritt im Job.

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