Angst vor Veränderung – Entdecken Sie die positive Seite daran

Angst

Angst

Nun ist bereits das erste Quartal vorbei, die ersten Projekte gestartet und Pläne für 2017 geschmiedet. Es war lange ruhig in meinem Blog und einige meiner Kunden fragten, wann endlich wieder ein Beitrag kommt. Der Grund dafür lag darin, dass es in unserer Familie sehr große Veränderungen gab und ich tatsächlich nicht die Muße zum Schreiben fand. In meinem Jahresrückblick war mein persönlicher Veränderungs- und Loslassprozess bereits mein Thema, der nun im ersten Quartal seinen Höhepunkt fand.

Nichts bleibt

Der Zustand meines demenzkranken Vaters verschlechterte sich im letzten halben Jahr so sehr, dass die Pflege zu Hause nicht mehr möglich war. Der Umzug in eine entsprechende Pflegeeinrichtung war nun unumgänglich geworden. Ein schwerer, jedoch notwendiger Schritt für unsere Familie. Gleichzeitig musste auch das Leben meiner Mutter neu organisiert werden, und zwar mit der Auflösung des Elternhauses und dem Umzug meiner Mutter in eine der neuen Situation angepassten Wohnung. Wir haben zum Glück sehr viel Unterstützung in dieser sehr schweren Zeit erfahren, wofür wir sehr dankbar sind.

Dieser Veränderungsprozess löste in mir einiges aus, denn mit jedem Möbelstück, das aus dem Elternhaus getragen wurde, ging auch ein Stück Familiengeschichte dahin. Mir wurde nur allzu bewusst, dass nichts bleibt, alles immer in Bewegung ist und wir nichts festhalten können. Das Leben sowie wir selbst sind vergänglich.

Die eigene Endlichkeit wurde so deutlich wie nie zuvor. Sogar die Erinnerung kann verloren gehen, was im Verlauf der Demenzerkrankung meines Vaters täglich zu beobachten ist. Die Veränderung ist unser ständiger Begleiter, doch wir wollen gerne an Allem festhalten. Beständigkeit gibt uns Halt und Sicherheit. Somit glauben wir das Leben kontrollieren zu können, alles immer im Griff zu haben. Doch dies ist eine Illusion.

Für meinen Vater gibt es nur das JETZT, denn in ein paar Minuten hat er vergessen, was war. Durch ihn habe ich mehr denn je gelernt, im Moment zu sein. Was zählt, ist die Gegenwart. Das Vergangene ist vorbei, die Zukunft noch nicht da und schon gar nicht planbar, geschweige denn kontrollierbar. Ich bin ein sehr kontrollierter und strukturierter Mensch. Ich liebe es zu planen, zu ordnen, zu kontrollieren. Spontaneität geht, jedoch sind mir feste Termine und ein Ablaufplan lieber ;-).
Ich lernte durch die Erkrankung meines Vaters eine Menge über mich. Dies war nicht immer einfach, jedoch am Ende bereichernd und befreiend. Mir wurde bewusst, wie oft ich schon in der Zukunft bin und somit den Moment verpasse. Ich bemerkte wie schnell ich täglich unterwegs bin, wo doch langsam auch ans Ziel führt. Und ich entdeckte wie entlastend und befreiend es sein kann, einfach mal keine Pläne und Ziele zu haben.

Angst vor Veränderung

Ich kenne viele Menschen, die wie ich lange Zeit versuchen festzuhalten an dem was ist. Auch wenn es nicht mehr funktionieren will, der Leidensdruck hoch wird, wir halten fest, denn das kennen wir. Es ist uns vertraut.

In meiner Arbeit kann ich das täglich beobachten, sowohl bei großen Change-Prozessen und Restrukturierungen in Organisationen, als auch bei einzelnen Klienten, die wegen gesundheitlichen Problemen, wegen Arbeitsfrust oder auf Grund einer Kündigung zur beruflichen Veränderung gezwungen werden.

Oft haben sie viel zu lange an einem Zustand festgehalten, den sie ganz offensichtlich viel früher hätten ändern müssen. Meist deutet sich diese Veränderung schon sehr lange im Vorfeld an, doch dies wurde erfolgreich ignoriert.

Weitere Unannehmlichkeiten werden nur zu gerne in Kauf genommen, Schmerz und Leid lieber ertragen, um nicht den bekannten Weg verlassen zu müssen. Erst wenn der Leidensdruck zu hoch ist, wird aller Mut zusammengenommen, um den Weg in eine unbekannte Zukunft zu beschreiten. Im Nachgang kommt einem dann dieser Verdrängungs- und Vermeidungsmodus ziemlich absurd vor.

Jedoch sind diese Ängste völlig normal und die dafür entwickelten Strategien nur allzu menschlich. Spencer Johnson beschreibt diesen Prozess sehr anschaulich in seiner berühmten Mäuse-Fabel „Die Mäusestrategie für Manager – Veränderungen erfolgreich begegnen“ oder in der englischen Originalausgabe „Who moved my cheese?“

Jedenfalls begegnete ich unserer familiären Veränderungssituation anfänglich auch mit Vermeidung und Verdrängung. Das äußert sich bei mir in übermäßigem „Beschäftigtsein“. Ich konzentriere mich dann „übertrieben“ auf meine Arbeit, meist mehr als notwendig, doch das ist für mich vertrautes Terrain. Das kenne ich, das kann ich, darin bin ich gut und somit bleibt einfach keine Zeit zu spüren, zu fühlen und sich intensiv mit dem Schmerz, der Wut und vor allem der Trauer auseinandersetzen zu müssen. Denn darin bin ich nicht gut.

Nur irgendwann funktioniert diese Taktik nicht mehr und ein Handeln wird unumgänglich. Hier ist der Macher in mir eine große Hilfe, denn der mag es nicht, wenn Dinge zu lange aufgeschoben werden. Der packt zum Glück gerne an und bringt Dinge in Bewegung.

Diese schmerzhafte Erfahrung, hat allerdings auch etwas Positives. Denn wie oben erwähnt, habe ich für mich persönlich eine Menge gelernt. Ich genieße den Moment viel mehr. Ich verweile öfter als sonst, und gehe bewusst langsam, wenn es hektisch wird. Ich sage nun Nein, zu Dingen die ich nicht mag oder nicht machen möchte. Auch lasse ich die Dinge viel mehr auf mich zukommen, statt zu planen und zu terminieren. Das entschleunigt, erdet und inspiriert mich. Und für diese Erfahrung bin ich dankbar.

Interessant war auch zu beobachten, wie andere Familienmitglieder, Freunde meiner Eltern und Bekannte mit dieser Situation umgegangen sind. Hier zeigten sich die gleichen Ängste, die überwiegend in Vermeidung/ Rückzug oder Verharmlosung zu erkennen waren. Sätze wie „das ist mir gar nicht aufgefallen“ oder „ich habe ihn doch letztens erst gesehen, da sah er so gut aus“ oder „naja so schlimm ist es ja noch nicht“ waren häufig zu hören.

Dies hat mich oft sehr wütend gemacht und in meinen inneren Selbstdialogen beschimpfte ich diese Personen regelrecht: „Du Idiot, natürlich sieht man Demenz nicht unbedingt am äußeren Erscheinungsbild.“

Noch wütender machte mich das Verhalten eines Familienmitgliedes, das sich beleidigt und anklagend zurückzog und uns sogar mit Nichtbeachtung strafte, weil wir für es wenig Zeit aufbringen konnten und es nicht in die wichtigen, existenziellen Entscheidungen meiner Mutter einbanden.

Jedoch stimmte mich die intensive Beschäftigung mit der menschlichen Angst nach einiger Zeit wieder milde, denn letztendlich haben wir alle nur Angst: Angst vor Hingabe bzw. der Abhängigkeit von anderen, Verlustangst und Angst vor Veränderung oder vor der Notwendigkeit bzw. Konsequenz.

Wer sich gerne näher mit dem Thema menschlicher Grundängste beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch von Fritz Riemann „Grundformen der Angst“. Sehr verständlich beschreibt der Psychoanalytiker und Psychotherapeut die menschlichen Grundängste und daraus resultierende Persönlichkeitstypen.

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille

Ängste sind völlig normal, und mit Sicherheit je nach Anlass und Persönlichkeitstyp unterschiedlich stark ausgeprägt. Das Loslassen und Verabschieden eines lieben Menschen ist eine sehr schmerzliche Erfahrung und nicht unmittelbar vergleichbar mit dem Verlust eines Arbeitsplatzes.

Dennoch handelt es sich in beiden Fällen um Verlust- und Existenzängste, die erst einmal lähmen und sehr viel Mut benötigen, um diesem Veränderungsprozess erfolgreich zu begegnen. Der Schlüsselsatz in der Mäusestrategie lautet:

„Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?“

Der hilft mir immer wieder, Dinge in die Hand zu nehmen und mich auf den Weg zu machen.

Vielleicht können Sie nun verstehen, weshalb ich keine Muße fand, zu schreiben. Mir kam es geradezu absurd vor, über Karriere, Job, Sinn und Selbstbestimmung zu schreiben. Kurzzeitig bezweifelte ich sogar, dass Sinn und Freude überhaupt im Beruf zu finden sind.

Ein sehr bereicherndes Gespräch mit einer Pflegerin meines Vaters gab mir den entscheidenden Impuls. Täglich konnte ich beobachten, mit welcher Hingabe und Geduld sich das Personal um die demenzkranken Bewohner kümmert. Leider fehlt Ihnen ständig, auch durch die immer zunehmende Bürokratisierung und einem dadurch erheblichen Personalmangel, die notwendige Zeit, jedem Bewohner individuell gerecht zu werden. Somit müssen diejenigen warten, denen es noch besser geht. Bei den Aktiveren sind sogar die Angehörigen mit gefordert, den Tag unterhaltsam zu gestalten. Das Pflegpersonal ist immer in Eile, jedoch lassen sie es den Dementen nie spüren. Denn „schnell“ geht auf einer Demenzstation tatsächlich gar nicht. Da bewegt sich alles in Zeitlupe.

Meinem „Beeil Dich“- Antreiber tut diese Erfahrung übrigens sehr gut. 😉

Der hat nämlich dann Pause und das entschleunigt ungemein. Wieder eine positive Erfahrung, die ich hier machen darf.

Die Gespräche mit den dementen Mitbewohnern meines Vaters sind oftmals auch sehr erheiternd und berührend. Denn hier zählt keine Leistung mehr, sondern nur das gute Gefühl und der Moment.
Ich bewundere die Pflegekräfte in dieser Situation, dass sie sich unter solch schweren Arbeitsbedingungen immer freundlich, geduldig und mit Hingabe um die Bewohner kümmern. Deshalb fragte ich eine Pflegerin während meines Besuches, wie es ihr denn unter diesen schweren Rahmenbedingungen gelingt, so fröhlich zu sein. Ihre Antwort berührte mich sehr:

„Ich mag meine Arbeit und die Menschen hier. Ich bin gerne für sie da. Auch wenn ihr Verstand nicht mehr funktioniert, sind die Menschen hier liebevoll, herzlich und ehrlich. Sie geben mir viel Freude und Dankbarkeit zurück.“

Und das war der entscheidende Impuls, der mich rührte und auch bestätigte, dass Sinn in der Arbeit zu finden ist.

Es ist vielleicht der Blick darauf, der das entscheidet. Ich habe nur die harten Arbeitsbedingungen dieser Tätigkeit gesehen, somit also auf die negative Seite der Medaille geschaut.

Die Pflegerin hat sich auf die positiven Aspekte ihrer Arbeit konzentriert – auf die Seite der Medaille, die ihr Freude bereitet. Sie hat den Sinn ihrer Tätigkeit gesehen. Zum einen möchte sie gebraucht werden und zum anderen direkte Anerkennung für ihre Arbeit erfahren. Das ist für sie beides mit ihrer Tätigkeit erfüllt. Denn ich glaube nicht, dass eine überdurchschnittlich gute Bezahlung ihre tägliche Motivation ausmacht.

Eine komplette Neuorientierung im Beruf vollziehen tatsächlich nur die wenigsten Menschen. Auch wenn wir die Geschichten von Aussteigern, gänzlicher Neuorientierung und plötzlicher Sinnfindung so lieben, ist es oft gar nicht notwendig, eine so starke Wandlung zu vollziehen, um wieder zu mehr Zufriedenheit im Job zu gelangen.

Ausreichend sind oft die kleinen Veränderungen im Alltag, die wieder zu mehr Freude und Ausgeglichenheit führen. Ein pünktlicher Feierabend, ein ausgedehnter Spaziergang, das Ausschalten des Smartphones, das längst überfällige Gespräch mit dem Vorgesetzten, oder die Lösung eines Konfliktes mit einem Kollegen helfen schon, um Frust und Unzufriedenheit im Job zu beseitigen. Manchmal ist es auch die Reduzierung der Arbeitszeit, oder die Mitarbeit an einem spannenden Projekt, das die Balance wieder herstellt.

Und gegebenenfalls ist es ausreichend, einmal den Blick wieder auf die positiven Seiten Ihres Berufes zu werfen. Denn sind wir doch einmal ehrlich: Jobs, die immer nur Spaß machen, die gibt es nicht!

Und für seinen Beruf muss auch nicht jeder brennen. Erfüllung im Job kann man finden, muss man aber nicht. Denn das ist alles genauso eine Illusion, wie Beständigkeit, Kontrolle und Unsterblichkeit. Also bleiben wir doch realistisch.

Ich bin der Meinung, da wir die meiste Zeit unseres Lebens mit der Arbeit verbringen, darf die Spaß machen!

Und das gelingt am besten, wenn wir unsere Fähigkeiten und Stärken einbringen können, den Sinn in unserem Tun erkennen, und hin und wieder uns die positiven Aspekte unserer Tätigkeit in Erinnerung rufen, anstatt uns auf das Negative zu fokussieren.

Wenn ich an meine Buchhaltung, an die neue Technik, die IT, sowie Ablage, Administration, Reporting und Dokumentation in meiner Arbeit denke, dann macht mir das auch nicht wirklich Spaß. Gehört aber nun einmal dazu!

Mein Interesse an Menschen treibt mich an, das zu tun, was ich tue. Ich liebe es, den roten Faden in einer Karriere zu entdecken und wie einen versteckten Diamanten sichtbar zu machen. Ich bin unheimlich neugierig, im positiven Sinne und möchte die Motive sowie die Handlungen von Menschen genau verstehen.

Und es bereitet mir Freude, Menschen in Ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung ein Stück des Weges begleiten zu dürfen. Dafür stehe ich jeden Tag gerne auf.

Und wofür stehen Sie morgens gerne auf?
Was treibt Sie an?
Was sind die positiven Aspekte Ihrer Tätigkeit?

Sollten Sie nun zu dem Ergebnis kommen, dass es da wirklich gar nichts gibt was Sie an Ihrer Arbeit begeistert, und dass der Zustand in Ihrer aktuellen beruflichen oder auch privaten Situation mittlerweile unerträglich geworden ist, dann rate ich Ihnen dieses Thema nicht weiter zu verdrängen und sich auf den Weg zu machen.

Vielleicht ermutigt Sie mein Beitrag. Denn eines ist sicher: Durch die Veränderung entwickeln Sie sich weiter und sind danach reicher! Reicher an Erfahrung, Wissen und Freiheit.

Beginnen Sie mit dem ersten und kleinsten Schritt den Sie heute schon tun können, also Mini-Mäuse-Schritt.

Ich freue mich auf Ihr Feedback, Ihre Erfahrungen, Kommentare und Anregungen zu diesem Beitrag.

Ihre Sandra Lorenz

Bildquelle:
75082849 – businessman holding hammer hitting red FEAR word on concrete wall
© TSUNG-LIN WU

Sandra Lorenz ist Personal- und Karriereberaterin, Business Coach und Kommunikationstrainerin. Sie unterstützt Unternehmen und Privatpersonen bei der Personalauswahl oder Jobfindung, bei beruflicher Neuorientierung, individueller Karriereentwicklung und einem souveränen Auftritt im Job.

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Sandra Lorenz ist Personal- und Karriereberaterin, Business Coach und Kommunikationstrainerin. Sie unterstützt Unternehmen und Privatpersonen bei der Personalauswahl oder Jobfindung, bei beruflicher Neuorientierung, individueller Karriereentwicklung und einem souveränen Auftritt im Job.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Lorenz,

    herzlichen Dank für diesen offenen Beitrag. Er behandelt Themen, mit denen so viele von uns zu tun haben oder (wie in meinem Fall) irgendwann zu tun hatten und die enorme Herausforderungen darstellen, aber auch große Wachstumschancen in sich bergen. Ihnen gelingt es, den ganzen Facettenreichtum hier anzusprechen und dann auch noch auf berufliche Situationen zu übertragen. Das setzt viel Reflexion und innere Verarbeitung voraus, die ja auch im Artikel zum Ausdruck kommt.

    Hut ab!

    Und alles Gute für Ihre Familie und Sie selbst.

    Viele Grüße
    Monika Birkner

    • Liebe Frau Birkner, ganz lieben Dank. Sie kennen eine solche Situation ja auch aus eigener Erfahrung. Um so mehr freue ich mich über Ihren Kommentar, dass die Vielschichtigkeit dieser Herausforderung deutlich wurde. Ich hoffe, anderen mit dem Beitrag wertvolle Impulse geben zu können. Ganz lieben Dank für Ihre Anteilnahme. Liebe Grüße, Sandra Lorenz

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